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Der Woods seiner Generation

Selbst mit dem Pokal in der Hand hatte es Jordan Spieth noch nicht realisiert.

Eigentlich war dem Shooting Star der US-Open-Triumph bereits entglitten, ehe ihm die Nervenschwäche des Kontrahenten Dustin Johnson auf dem letzten Grün doch noch zum Sieg verhalf.

Erst als sechster Spieler der Geschichte gewann der bescheidene Texaner aus Dallas die ersten beiden Majors des Jahres und kann nun sogar vom ersten Grand Slam träumen.

“Ich habe mich immer noch gefragt, wie ich die Führung vergeigen konnte. Plötzlich kam Mike (Caddy Michael Greller, Anm. der Red.) auf mich zugestürmt und gesagt, ich solle ihn umarmen”, beschrieb Spieth die ersten Momente.

Spieth stiehlt Woods und Co. die Show

Wieder stahl der 21-Jährige den großen Namen Rory McIlroy und Tiger Woods mit einer unglaublich abgezockten Vorstellung die Show.

Nur einmal vermochte der schwere Chambers Bay Golf Course auch Spieth aus dem Konzept zu bringen. Das Doppel-Bogey auf dem vorletzten Loch wäre ihm fast zum Verhängnis geworden.

Nervenstark beendete er die Runde mit einem Birdie und gab sich so eine Chance. “Er ist ein außergewöhnlicher Denker”, lobte Mike Davis, Exekutivdirektor des US-Golfverbandes.

“Grand Slam ist möglich”

Tatsächlich ist Spieth nicht dieser außergewöhnliche Athlet wie der junge Woods, der den Sport mit seiner Dynamik revolutionierte. Er hat nicht die längsten Schläge, aber ist dafür ein ganz starker Putter.

Der zweimalige US-Amateurchampion – auch das schaffte nur Woods vor ihm – hat aber auch kaum Schwächen in seinem von Konstanz und Präzision geprägten Spiel. Die bodenständige Art verhilft ihm zum großen Trumpf: der mentalen Stärke. Ihn scheint nichts aus der Ruhe zu bringen.

So sprach er auch ganz offen über die historische Chance. “Der Grand Slam ist möglich”, sagte Spieth nüchtern. Davis traut es ihm zu: “Er ist absolut dazu in der Lage.”

Woods überflügelt

In der Weltrangliste liegt er zwar noch hinter Spitzenreiter McIlroy, aber mit seinem nächsten Coup krönte sich Spieth zum Tiger seiner Generation. 2013 katapultierte er sich mit Rang 2 beim Masters ähnlich spektakulär in die Weltspitze.

Woods benötigte einst zwei Jahre für seine ersten beiden Majorsiege, Spieth schaffte es innerhalb von drei Monaten. Der jüngste Masters-Sieger wurde nun auch der jüngste Open-Gewinner seit Bobby Jones (1923).

Bei der Open Championship im schottischen St. Andrews schickt sich Spieth nun im Juli an, Woods einmal mehr zu überflügeln. Ihm blieb 2002 der Sieg beim dritten Major und damit der mögliche Grand Slam verwehrt.

“Ich dachte immer, Tiger würde es als erster Spieler schaffen”, sagte Spieth. Ab jetzt ist er “in jedem Turnier Favorit”, wie Caddy Greller erklärte.

Keine Skandale

Für die US-Medien ist Spieth ohnehin die neue Galionsfigur. Skandale und Boulevard-Geschichten wie bei Woods oder Bad Boy Johnson gibt es nicht.

Er hält sein Privatleben so gut es geht unter Verschluss. Er ist nach wie vor mit seiner High-School-Liebe zusammen, betreibt eine Stiftung, die Behinderte, Militärfamilien und Golftalente unterstützt.

Zudem pflegt Spieth eine enge Beziehung zu seiner autistischen Schwester Ellie, die er als seine “größte Inspiration” bezeichnet.

Fan von Dirk Nowitzki

Da überrascht es nicht, dass sein Lieblingssportler der wohl bodenständigste Superstar der Welt ist: Dirk Nowitzki.

Die Dallas Mavericks schenkten dem großen Fan nach seinem Masters-Triumph ein Trikot. Spieth sagte damals sogar, Nowitzki wäre sein Traumpartner für eine Golfrunde.

Dieser Wunsch dürfte sich bald realisieren lassen, immerhin gratulierte der Deutsche nun via Twitter zum Sieg. Vorher hat der momentan hellste Stern am Golfhimmel in St. Andrews aber ein Date mit der Geschichte. 

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